ja, ich weiss, es gibt sicher Interessanteres zu erzählen, aber es ist ja nicht so, dass mir hier jeden Tag immer nur die verrückstesten Dinge passieren. So langsam kehrt der Alltag ein in Japan zu leben, echt seltsam wie schnell man sich an eine neue Umgebung gewöhnen kann. Wenn da nicht immer wieder die Sprachbarriere waere... gestern abend habe ich alleine in ner Kneipe gesessen und ein Bier getrunken (übrigens Löwenbräu) als mein Handy klingelt und mich jemand hektisch auf Japanisch voll quasselt. Ich konnte nicht ganz folgen...aber es waren die Mitarbeiter von der Videothek, in der ich mir ein paar CDs ausgeliehen und kurz zuvor zurückgebracht hatte. In einer CD fehlte das Booklet schon als ich sie ausgeliehen hatte. Beim Zurückgeben wollte ich noch darauf hinweisen, hatte aber keine Lust auf eins dieser komplizierten Gespräche ("Häh, was will der uns grade sagen???") und hab nix gesagt. Toll. Ne halbe Stunde später also riefen sie mich dann an und ich habe - am Tresen der Kneipe sitzend - versucht zu erklären, dass das kleine Büchlein in der CD vorher schon gefehlt hat. Meine Versuche das auf Japanisch rüber zu bringen waren zwar nicht besonders erfolgreich aber dafür habe ich anscheinend die ganze Kneipe amüsiert. Englisch sprechen können die meisten Japaner im allgemeinen übrigens nicht, obwohl sie jahrelang in der Schule mit Grammatik und Vokabeln voll gepumpt werden. Die lernen Englisch als sei es eine tote Sprache, wahrscheinlich können viele Deutsche sich besser auf Latein über das Wetter unterhalten als die meisten Japaner auf Englisch. Sie kennen die abgefahrenste Grammatik, aber reden können sie oft kein Wort (oder trauen sich nicht...).
Ungefähr der einzige Japaner, der gut Englisch kann (weil er 4 Jahre in den USA gelebt hat) saß aber zufällig neben mir an der Bar und so habe ich dann gleich eine neue Bekanntschaft geschlossen. Leider habe ich seinen Namen nach 3 Sekunden wieder vergessen, aber die meisten Japaner können sich Gottseidank meinen Namen gut merken, weil hier in Japan in den 90ern bekanntlich eine unvergessene, deutsche Fussballgröße mit gleichem Vornamen erfolgreich im Einsatz war (127 Spiele, 11 Tore).
Ich wurde dann gleich zum Stammgast deklariert, obwohl ich zum ersten Mal da war, musste versprechen bald wieder zu kommen und wurde freundlich von der ganzen Belegschaft verabschiedet, als ich den Heimweg antreten wollte. Gastfreundlich sind die Japaner, da kann man nichts sagen!
So, wo waren wir? Ach ja, beim Friseur eben habe ich mutigerweise "sugoi michikaku kite kudasai" gesagt ("Bitte sehr kurz schneiden"). Das hat die Dame sehr wörtlich genommen, ich glaube sie hat vorher beim Militär oder im Gefängnis die Haare geschnitten... Ich konnte sie grade noch davon abhalten mir eine Glatz zu verpassen, aber an der Seite über den Ohren sind meine Haare praktisch futsch (JA ICH WEISS! "oben auf dem Kopf auch" höre ich euch alle witzeln, aber dafür kann die gute Dame nun mal nichts!).
Aber eigentlich siehts jetzt ganz schick aus jetzt und bei den Temperaturen ist ein kurzer Rasen eh praktischer.. Zu einem Haarschnitt gehört in Japan übrigens immer Haarewaschen NACH dem Schneiden (ist das in Deutschland nicht andersrum?) und eine Kopf- und Schultermassage. Und wie überall auf der Welt scheint der Friseursalon auch die beste Adresse zum Tratschen über Gott und die Welt zu sein. Vielleicht sollte ich da jetzt öfters mal hin gehen um mein Alltagsjapanisch zu verbessern - ach hätte ich doch mehr Haare...
3 Kommentare:
Hi Guido, ich lese seit einiger Zeit - es sind ja schon mehrere Seiten, die du verfasst hast - mit großem Interesse deine Erlebnisse im weit entfernten Japan. Köstlich, mach weiter so. Also was mich ja jetzt interessiert hätte, wäre ein Bild nach deinem Friseurtermin. Vielleicht kannst du das ja noch nachreichen ;-))
Gruß Bernd
Du kennst Dich doch im Fussball garnicht aus....!
Wie hieß denn Dein Vornamensvetter?
Buchwald!
und Recht hast Du (wer auch immer Du bist). HAbe mich hier erst mal schlau machen müssen: http://de.wikipedia.org/wiki/Guido_Buchwald
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