Donnerstag, 31. Mai 2007

Hello, nice to meet you, my name is ???-san

Heute haben sich die Kollegen des Nachbarlabors allen Mut zusammengenommen und sich dem großen Bären nebenan vorgestellt. Die Namen habe ich natürlich schon wieder vergessen, aber das wird schon. Ich habe ja ein Wordfile angelegt in dem ich mir die Namen aufschreibe und dazu versuche eine sinnvolle Beschreibung der Leute zu notieren (ich hoffe keiner von denen, die ein bisschen deutsch können, lesen das!).
Neben ein paar Süssigkeiten habe ich auch ein kleines Plastikfigürchen von den Mädels nebenan geschenkt bekommen, das mir angeblich ähnlich sieht:


DANKE, DANKE, DANKE
Ach ja, ein paar Geschichten wollte ich ja noch loswerden:
Zunächst einmal zu meinem Flug: Dieser hat den japanischen Steuerzahler 3500 Euro gekostet (Economy Class!) und ich muss ja sagen, ich hatte von der Lufthansa mehr erwartet. Der Knaller war allerdings, als der Erste Offizier (=Copilot) des Airbus 340-300 seine Begrüßung zum besten gab: "Sehr geehrte Passagiere, willkommen an Bord, hier spricht ihr Erster Offizier Harald van Erp..."
HARALD VAN ERP??? Moooooment, der Name kommt mir bekannt vor. Den ganzen Flug über habe ich gegrübelt ob das nicht unser panzerquartettspielender Harry aus der Schule ist. Nach der Landung habe ich dann die Stewardessen angesprochen und mir schon gedacht: Das wird jetzt peinlich, wenn er es nicht ist. Aber: Er wars! Super lustig, mein oller Klassenkamerad kommt in stolzer Lufthansauniform aus dem Cockpit und wir plaudern ein bisschen. Er hat sich auch für die etwas harte Landung entschuldigt, weil die LAndebahn in Tokyo "verdammt kurz" ist. Schon OK, Harry! (Irgendwie wie damals in der Physikstunde...)
In den letzten Tagen habe ich mit einem japanischen Kollegen eine Menge Behördengänge gemacht und unzählige Formulare und Verträge unterschrieben, deren Inhalt mir nur vage bekannt ist. Bei der Bank habe ich ein Konto eröffnet und ich konnt mir eine Kreditkarte auswählen. Ich habe mich für das Hello Kitty Design entschieden. Mein männlicher Begleiter war etwas peinlich berührt, unsere Sekretärin findet das aber total süss und ich würde mich nicht wundern wenn ich jetzt offiziell als großer Hello Kitty Fan deklariert werde und man mir diverse Hello Kitty Devotionalien schenkt...
Bei den Behörden nimmt man hier übrigens alles ganz genau. Beim Ausländeramt muste ich erstmal meine Katakanakenntnisse (eins der jap. Silbenalphabete) zum Besten geben um meinen Namen auf Japanisch zu schreiben. Im Falle meines ersten Vornamens und meines Nachnamens kein Problem, hatte ich vorher schon mal geübt, aber als ich meinen zweiten Vornamen, der schönerweise "Heinrich" lautet auf Katakana schreiben musste gings ans Eingemachte.
Dann kam man Geburtsort: Bad Neuenahr. Den hat der nette Beamte dann in einem staubigen Büchlein nachschlagen wollen, das wohl die jap. Schreibweise aller Orte der Welt enthält.
Fast aller... Bad Neuenahr war natürlich nicht drin und so fragte er mich, ob ich auch mit Bad Nauenheim zufrieden wäre (das war nämlich drin in seinem schlauen Büchlein)...
Jetzt werde ich mal wieder das Labor verlassen um ein wenig einkaufen zu gehen. Gestern war ich im 100Yen Shop um die Ecke, wo ich -SchockSchwereNot- feststellen musste, dass die Sachen im 100Yen Shop jetzt 105 Yen kosten...na das nenne ich mal ein Geschäftsmodell, das wird sicher meine Haushaltskasse sprengen.
Habe mir dann gestern abend mässig erfolgreich Spaghetti gekocht (hatte kein Salz).
Jetzt brauche ich eigentlich dringen einen Kühlschrank, damit mir die restliche Tütenbolognesesosse nicht abranzt. Also auf nach Akihabara, ins Mekka der Elektro- (und Manga) Läden. Mal sehen ob ich mit meinem bisschen Japanisch da so erfolgreich ins Geschäft komme wie gestern abend in der Videothek...
Ikimaschoo,
die Wurst.

Mittwoch, 30. Mai 2007

Hallo Welt.

Sternzeit 30052007. Von sehr, sehr fern aus einer anderen Welt möchte ich in diesem Blog ein wenig darüber berichten wie sich es einer deutsche Wurst gelingt, sich in japanischen Reis zu betten.
Zunächst mal meine Koordinaten: Ich wohne jetzt seit 2 Tagen im Stadtteil Bunkyo-ku in Tokyo nicht weit entfernt von der Tokyo University in welcher ich gerade in einem dunklen, chaotischen Labor sitze und mit der Schwierigkeit kämpfe meine kaukasische Statur auf die mir zugeteilten 5 Quadratzentimeter zu quetschen.
Über Platzmangel in meinem neuen Appartement kann ich mich allerdings nicht beschweren (was auch zu reichlich freien Platz in meinem Bankkonto zur Folge hat). Ich habe mich für eine 42 qm Zweiraumwohnung im 12. Stock mit einem beeindruckenden Blick über die Stadt entschieden.
Meine Einrichtung besteht zur Zeit leider lediglich aus einem Futon (= jap. Matrazenlager) welches ich stilgerecht in meinem traditionell japanischen Tatamiraum ausgelegt habe und einem kleinen, roten Aufziehauto, welches meine Vormieter unter der Spüle vergessen haben. Dieses ziert nun mein western-Style Zimmer.
Mehr brauche ich nicht.

Meine Küche enthält zur Zeit lediglich eine Tefalpfanne, bei deren Kauf ich meinem jap. Begleiter stolz erzählt habe, dass es deutsche Markenware wäre (nein, es ist eine französische Firma), einen Topf, 2 Teller, 2 Gläser und ein paar Einmalstäbchen, die ich gestern zwar schon benutzt habe, die ich aber als mein einziges Besteck in Ehren halten muss.

Meine Toilette hat mehr Knöpfe als mein Laptop (was mir Angst macht), der Thermostat in meinem Bad spricht mit mir, wenn ich irgendwelche Knöpfe drücke, deren Bedeutung sehr ausführlich aufgedruckt ist - in japanisch versteht sich. Den ersten lebenbedrohlichen Kulturschock hatte ich übrigens heute morgen beim Duschen in meiner kleinen Wanne: Da die Japaner sich zunächst in ihrem Bad, welches in meinem Fall eine Vollplastikkomplettnasszelle ist, auf einem kleinen Höckerchen NEBEN der Wanne gründlich waschen und dann erst in ihr seifenloses, heisses Bad steigen, ist logischerweise die Duschkopfhalterung NEBEN der Wanne in ca 1,50 m Höhe angebracht. Hm, also entweder ich muss jetzt morgens gebückt neben der Wanne duschen oder ich werde in alter Manier meines Vaters die Angelegenheit mit viel Klebeband lösen oder ich frage den Hausmeister, ob er mir beim Duschen den Duschkopf hält.

Genug für heute, ich gehe jetzt shoppen.
Morgen gibt es mehr Infos zur interkulturellen Kommunikation, zur Vorfreude auf meine Hello-Kitty Master Card und warum man besser in Bad Nauheim geboren wurde als in Bad Neuenahr.

Servusmashita